Chor der Erste Bank


Proben im Herbst 2026

 

1. Probe am 15. September 2026 18:00 im FLIP Lab

 

Ottos Weihnachtsgeschichte

 

Und wieder Weihnachtsmann und das Christkind

 

Schon wieder Weihnachten -  unweigerlich in Sicht

Auf den Straßen abends viel wärmendes Licht

Sieh da es rührt sich was geheimnisvoll in einem Raum

Ein Rauschebart, ein Mantel rot mit weißem Saum

Der stattlich Mann macht einen letzten prüfend Blick

Da kommt vom Spiegel ein verstörend Bild zurück

Was sieht er da, wie kann das sein?

Ein lieblich Gesicht mit Locken und heiligem Schein

Und eh er sich´s versieht,

da spricht auch schon dies Wesen forsch zu  ihm

Hey , alter Sack , was hast du vor, wo willst du hin?

Verblüfft der Weißbart steht ganz starr am Fleck

vor Staunen bleiben ihm die Worte weg.

Schon setzt es fort,  noch einiges hat´s ihm zu sagen

Als Weihnachtsmann  sei er - so nicht zu ertragen

Schau dich doch an mit deiner roten  Nase und dem großen Bauch

Bist eine Schand´ für alle, die Umwelt - und Weihnachten auch

Dazu das Getue mit Rentieren samt Schlitten durch einen Kamin

Das ist doch nicht nachhaltig, Tierquälerei und wo führt das hin?

Dann dieses Joint Venture mit dem korrupten Konzern

Das ist von weihnachtlicher Stille  unglaublich fern

Dagegen gibt´s mich, auch wenn du´s nicht glaubst,

ich erscheine in den Träumen der Kinder so gern

und fliege an den Fenstern vorbei - fantasievoll als funkelnder Stern

Sehnsüchtige Briefe analog geschrieben - noch mit der Hand,

die sammle ich ein

Dagegen die Digitalwelt ist oft nur trügerischer Schein

Bei Jung, als auch bei Alt

Ich schenke Emotionen, - lass niemanden kalt

Du glaubst jedoch , egozentrisch wie du daherkommst

Du wärest die allmächtige Weihnachtsgestalt

Aber hör zu,  weil du es bist, der auch die Kinder gern mag

Ich mach dir einen friedlich fairen Vorschlag

Verbinden wir uns im Duett zu einer -Liaison de Noël

Dann haben wir alle was davon , es geht sehr leicht – und auch ganz schnell

Dem Mammon kannst du ja weiter und seinen Geschäften dienen

Ich aber sorg fürs Seelenheil auf allen Bühnen

Wer an mich glaubt, schöpft Hoffnung und die Liebe

Die tief drinnen - als wundersam heilende Kraft

Weihnachtlichen Frieden uns allen verschafft

So gewinnt jeder seinen -Balsam  für´s Herz und die Seele

Dazu Nähe und Geborgenheit wie in einem Nest

Weihnachten ein Traum –

zugleich fröhlich und unser lieblichstes Fest

 

Frohe Weihnacht mit dem Christkind

Von Otto

©textwerkstatt otto-12/2023

Ottos Weihnachtsgeschichte!

 

Geflüster am Christbaum

 

He, hee,  goldener Stern, hörst du mich? ….Ganz leise war die zarte Stimme aus dem dunkelsten Winkel des hell erleuchteten Weihnachtsbaumes zu vernehmen.

Sie gehörte dem kleinen Schneemann, dessen Oberfläche schon etwas matt und zerkratzt war.  Er hing wie jedes Jahr als Lückenfüller auf jenem Ast, der in die Ecke des Wohnzimmers gedreht worden war, um ein wenig Platz zu sparen. 

Nun war er wieder aufgeputzt, der große Baum.  Er ragte mit seinem famosen Spitz bis an die Decke. Eine stattliche Zahl an Kugeln und glitzernden Figuren an vorderster Stelle ließen mit den unermüdlichen Kerzen die immergrüne Nordmanntanne in strahlendem Licht erscheinen.

Nicht aber den hinteren Ast. Dort, wo der kleine, alte Schneemann hing.

Seit diesem Jahr war im Konzert der neuen, modernen Figuren sogar ein großer Wal dazu- gekommen. Ja, jenes massige Geschöpf, das die Menschen gerne Fisch nannten, obwohl es keiner war. Lang und breit warf es seinen markanten Schatten, der den kleinen Kollegen am hinteren Ast gänzlich in Dunkelheit tauchte. Und es lag auch daran, dass man dort  in der Ecke, wo man sie so schwer entzünden konnte, mit den Kerzen gespart hatte.

 Natürlich war dem Schneemann bewusst, dass er nicht mehr das attraktivste Stück für die Glitzervorstellung am Heiligen Abend sein konnte.  Aber einmal noch im weihnachtlichen Licht zu baden war sein sehnlichster Wunsch.

Der kleine weiße Mann sah seine einzige Chance darin, den großen goldenen Weihnachtsstern um Hilfe zu bitten. Dieser strahlte wie immer in der Mitte des Baumes und  gehörte zu den Veteranen unter den glänzenden Gehängen. Wenn es gelang -  so die Überlegung des Schneemanns -  dass der Stern sich nur ein wenig drehte, dann konnte es passieren, dass wenigstens ein Lichtstrahl abgelenkt von einer Zacke bis nach hinten zu ihm in die Ecke scheinen könnte. 

He - heee, goldener Stern, hörst du mich? Noch einmal – diesmal etwas dringlicher - versuchte der Schneemann, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.  

Der große ehrwürdige Stern hatte die zarte Stimme seines kleinen Baumgenossen sehr wohl vernommen. Doch wie sollte er ihm helfen? Von selbst konnte er sich nicht bewegen , und eine Menschenhand oder ein Tier waren nicht in der Nähe. Nur ein Wunder würde jene kleine Drehung möglich machen, die dem rundlichen weißen Gesellen sein kurzes Lichtbad schenken könnte.

Und siehe da! Das Wunder geschah, wie es nur zu Weihnachten geschehen konnte. 

Es war das Christkind, das den beiden zu Hilfe kam. In der letzten Sekunde bevor das Glöckchen erklang und das Christkind aus dem Zimmer huschte, erzeugte es einen kurzen, aber kräftigen Windstoß, der dem Stern genau jene Drehung verlieh, die er benötigte, um den sehnlichst erwarteten Lichtstrahl auf den hintersten Ast des Baumes zu lenken. 

Der kleine Schneemann platzte fast vor Entzücken. Für einen glänzenden Augenblick stand er im Rampenlicht. Er, mit seinem winzigen Zylinder aus Filz, den aufgemalten Kohleknöpfen und dem Streichholz als Besenstiel. 

Dem Christkind aber in seiner himmlischen Eile wurde nicht gewahr, dass es an diesem Heiligen Abend nicht nur den Kindern in aller Welt, sondern auch einem kleinen unscheinbaren Schneemann am hinteren Ast eines Christbaumes das Wunder von Weihnachten geschenkt hatte.

 

©Textwerkstatt Otto – 12/20                        Frohe Weihnacht!