Chor der Erste Bank


2019 ist sooo viel geschehen. Diese Seite braucht noch einige Zeit bis sie komplett ist:

 

 

2019

 

Ottos Weihnachtsgeschichte.  Wie immer vielen Dank, Otto.

 

Die Weihnachtsmänner und das Christkind

 

Es war einige Wochen vor Weihnachten irgendwo hoch oben im Norden in einer großen, kalten von Leuchtstoffröhren beleuchteten Halle. Da hatten sie sich eingefunden mit ihren vielen verschiedenen Schlitten. Die mitgebrachten Rentiere warteten inzwischen draußen und kratzten mit ihren Hufen im Schnee, um vielleicht ein paar gefrorene Halme zu finden.
 

Ja, die Weihnachtsmänner aus aller Welt waren hier, um in einer Vollversammlung den Einsatzplan für das heurige Jahr in Empfang zu nehmen.
 

Da standen sie nun mit ihren Schlitten in Reih und Glied -  eng Kufe an Kufe.  Es gab ganz einfache, schlanke Gefährte neben sehr breiten, luxuriösen Flitzern, die oft neidische Blicke auf sich zogen. Hervor stach aber ganz besonders der Schlitten des Weihnachtsmannes, der als Boss ganz vorne in dröhnender Basslautstärke seine Anweisungen gab. Auch aus der Entfernung war die Ähnlichkeit mit den knallroten Fahrzeugen einer sehr bekannten italienischen Automarke nicht zu übersehen. Weiß der Teufel, wie der mit seiner Karosse durch einen Schornstein kommen sollte. Das Logo eines amerikanischen Softgetränkeherstellers war sowieso fast auf jedem Schlitten zu erkennen.
 

Das Meeting war im vollem Gange, ein Weihnachtsmann nach dem anderen erhielt seinen Auftrag. Alles wirkte sehr professionell, doch weihnachtliche Stimmung war nicht wirklich zu spüren.
 

Da erhob sich unerwartet ein Arm aus der Menge, der zu einem offensichtlich sehr jungen Weihnachtsmann mit noch zartem Flaumbart gehörte. Er wäre noch lange nicht an der Reihe gewesen und wurde deshalb nicht gleich von allen gesehen, doch der alte Weißbart vorne am Pult hatte ihn sofort erblickt und reagierte etwas verärgert: „Was gibt´s? Du Greenhorn!“   Noch nie hatte es bei der großen Vollversammlung ein Anfänger gewagt, sich ungefragt zu Wort zu melden.
 

Der Junge nahm allen Mut zusammen, als er sich in der Runde umblickte und etwas leise, aber doch bestimmt sagte: „ Wisst ihr, warum wir eigentlich hier sind?“
 

Noch ehe der Boss antworten konnte, waren im Raum sofort laute, aufgebrachte Stimmen zu hören: „Frechheit! Was soll das? Das machen wir schon immer so! Lasst euch nicht verrückt machen, denkt lieber an eure Arbeit!“. 

Die coole, nüchterne Stimmung hatte sich durch diese einfache Frage ganz plötzlich in eine sehr  erhitzte, aufgeladene verwandelt. Ein lautes Durcheinander von vielen Stimmen erfüllte den Raum. Selbst der Oberweihnachtsmann war mit seinem Gebrüll kaum mehr zu hören.
 

Da!!   Mit einem Schlag ging das Licht aus, und es wurde stockdunkel.
 

„He, was soll das? Wer war das? Macht sofort wieder das Licht an!!“ Die Stimme des alten Weißbarts überdröhnte alle anderen. Diese wurden aber zunehmend leiser, bis keine mehr zu hören war. Schließlich verstummte auch der Boss und starrte mit großen Augen auf  die Decke.
 

Er und alle anderen schauten gebannt  auf ein kleines,  unscheinbares Licht, das  vollkommen lautlos von oben herabschwebte. Das Erstaunen war so groß, dass allen der Mund offen blieb.
 

In diese wohltuende Stille hinein hörten plötzlich alle Weihnachtsmänner eine zarte Stimme in ihren Köpfen: „Liebe Freunde, ich bin es, das Christkind. Ich bin die Antwort auf die Frage eures jungen Kollegen. Lange vor eurer Zeit bin ich als armes Menschenkind in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt worden.
 

Immer dann, wenn es sehr, sehr dunkel ist, bin ich das Licht der Welt und bringe Frieden, Liebe und Güte in die Herzen der Menschen. Und dafür feiern sie meinen Geburtstag an dem Tag, den sie Weihnachten nennen. Fahrt ruhig los und bringt den Kindern in aller Welt die vielen aufgeladenen Geschenkeaber nehmt mich mit. Ich bin für jeden von euch da. Gemeinsam wird es uns gelingen, die Kinder und damit alle Menschen glücklich zu machen.“
 

Kaum waren die Worte verklungen, ging das Licht wieder an. 

Für einige Sekunden blieb es ganz still…

 

Als die Weihnachtsmänner schließlich aus ihrer Starre erwachten, hatte sich auf geheimnisvolle Weise ein Lächeln in ihre Gesichter gelegt. Selbst der griesgrämige Boss schaute nun sehr freundlich drein.
 

„ Ho, ho, ho!!“ riefen plötzlich alle befreit in die Runde. „Nun macht die Arbeit wirklich Spaß!“
 

Als sich der junge Weihnachtsmann  als vorletzter mit seinem schlanken Schlitten auf den Weg machte, konnte er es sich nicht verkneifen, dem großen, alten Weißbart hinter sich noch ein paar Worte zuzuwerfen: „ Manchmal macht es doch  Sinn, auch eine ganz einfache Frage zu stellen“. Die Antwort des Alten ging im sausenden Fahrtwind unter.
 

Einem liebevollen und friedlichen Weihnachtsfest stand nichts mehr im Wege.

 

©textwerkstatt otto – 12/18